Sobald ein Funkgerät an Bord ist, reicht der Sportbootführerschein allein nicht mehr aus. Wer eine UKW-Funkanlage bedienen will, braucht dafür ein eigenes Funkzeugnis – und genau hier verwechseln viele angehende Skipper zwei Abkürzungen: UBI und SRC. Beide klingen ähnlich, regeln aber völlig unterschiedliche Reviere. Dieser Artikel erklärt, was hinter den beiden Zeugnissen steckt, wer welches braucht und wie du dich am besten vorbereitest.
Warum du überhaupt ein Funkzeugnis brauchst
Ein UKW-Funkgerät zu bedienen ist keine Selbstverständlichkeit, die mit dem Kauf des Geräts automatisch erlaubt ist. Wer eine Schiffsfunkstelle betreibt, muss nachweisen, dass er die Verkehrskreise, Betriebsverfahren und vor allem die Not-, Dringlichkeits- und Sicherheitsverfahren beherrscht. Das ist kein bürokratisches Detail: Im Ernstfall entscheidet die richtige Bedienung des Funkgeräts und die korrekte Absetzung eines Notrufs darüber, wie schnell Hilfe kommt. Deshalb ist der Nachweis eines gültigen Sprechfunkzeugnisses in Deutschland Voraussetzung für den legalen Betrieb einer Funkanlage an Bord.
Welches Zeugnis du brauchst, hängt vom Fahrtgebiet ab: Binnengewässer oder Küste. Für beide gibt es ein eigenes Zeugnis mit eigenem Fragenkatalog, eigener Prüfung und eigenen Inhalten. Wichtig zu wissen: Beide Sprechfunkzeugnisse sind eigenständige Qualifikationen, die unabhängig vom Sportbootführerschein erworben werden. Wer mit Funkgerät an Bord unterwegs ist, braucht also neben dem SBF zusätzlich das passende Funkzeugnis.
UBI: Das Sprechfunkzeugnis für die Binnenschifffahrt
Das UKW-Sprechfunkzeugnis für den Binnenschifffahrtsfunk (UBI) ist die amtlich anerkannte Erlaubnis zum Bedienen und Beaufsichtigen einer Schiffsfunkstelle auf Binnenschifffahrtsstraßen. Es wird von den Prüfungsausschüssen des Deutschen Segler-Verbands (DSV) abgenommen.
Wer braucht das UBI?
Das UBI brauchst du, wenn du auf Flüssen, Kanälen oder Binnenseen mit einer UKW-Sprechfunkanlage unterwegs bist. Konkret betrifft das:
- Bootsführer auf stark befahrenen Binnenrevieren wie Rhein, Elbe oder Donau, wo der Kanal- und Revierfunk zur sicheren Verständigung mit anderen Schiffen und Schleusen gehört
- Nutzer von AIS-Geräten (Automatic Identification System) mit Sendebetrieb
- Charterer von Hausbooten und größeren Motorbooten auf Binnenwasserstraßen
Wichtig: Das UBI ist unabhängig vom SBF Binnen. Du kannst also den Sportbootführerschein Binnen ohne UBI machen und umgekehrt. In der Praxis lohnt sich aber oft die gemeinsame Vorbereitung, weil viele Binnenschiffer am Ende beide Zeugnisse brauchen.
Prüfungsaufbau UBI
Die theoretische UBI-Prüfung besteht aus einem Bogen mit 22 Multiple-Choice-Fragen, die in 60 Minuten zu beantworten sind. Bestanden hat, wer mindestens 17 Fragen richtig beantwortet. Dazu kommt ein praktischer Teil mit Pflichtaufgaben wie der ATIS-Einstellung (automatische Senderidentifizierung), Gerätekunde sowie der korrekten Durchführung von Not-, Dringlichkeits- und Sicherheitsmeldungen.
Inhaltlich prüft das UBI unter anderem Verkehrskreise sowie Rangfolge und Arten des Funkverkehrs, Frequenzen und ihre Nutzung, das ATIS-System, Not-, Dringlichkeits- und Sicherheitsverkehr sowie Bedienung und Technik der Funkanlage. Der offizielle Fragenkatalog umfasst 130 Fragen.
Das Mindestalter für die UBI-Prüfung beträgt 15 Jahre. Ein Vorbereitungskurs ist nicht vorgeschrieben, du kannst die Theorie eigenständig lernen. Für den praktischen Sprechfunk-Teil hilft vorherige Übung am Gerät.
Kosten UBI
Die amtliche Gesamtgebühr für das UBI setzt sich aus drei Posten zusammen: Zulassung zur Prüfung, Prüfung von Theorie und Praxis sowie Erteilung des Zeugnisses. In Summe liegt die amtliche Gebühr laut DSV bei rund 109 Euro. Die Wiederholung von Theorie oder Praxis kostet separat weniger. Diese amtlichen Gebühren sind unabhängig von etwaigen Lernmaterialien oder Apps zur Vorbereitung.
SRC: Das Kurzstreckenzeugnis für den Seefunk
Das Short Range Certificate (SRC), auf Deutsch auch als beschränkt gültiges Funkbetriebszeugnis bezeichnet, ist die amtliche Erlaubnis zur Teilnahme am weltweiten Seefunkdienst (GMDSS) im UKW-Bereich. Es berechtigt zur Bedienung von UKW-Seefunkanlagen inklusive DSC (Digital Selective Calling) im Küstenbereich, dem sogenannten Seegebiet A1.
Wer braucht das SRC?
Das SRC ist Pflicht, sobald du eine UKW-Seefunkanlage an Bord nutzt, egal ob fest eingebaut oder als Handgerät. Das betrifft insbesondere:
- Segler und Motorbootfahrer mit Funkgerät an Bord, die auf Nord- und Ostsee oder in Küstenrevieren unterwegs sind
- Charter-Skipper, da viele Vercharterer das SRC für Yachten mit Funkanlage voraussetzen
- Jeden, der im Notfall selbst einen DSC-Notalarm und einen Mayday-Ruf korrekt absetzen können muss
Das SRC wird von den Prüfungsausschüssen des Deutschen Segler-Verbands (DSV) und des Deutschen Motoryachtverbands (DMYV) abgenommen. Es ist international anerkannt und zeitlich unbegrenzt gültig.
Prüfungsaufbau SRC
Die theoretische SRC-Prüfung umfasst einen schriftlichen Fragebogen mit 24 Multiple-Choice-Fragen in 30 Minuten, bestanden ab 19 richtigen Antworten. Dazu kommen die schriftliche Aufnahme einer Not-, Dringlichkeits- oder Sicherheitsmeldung sowie ein praktischer Teil mit vier Aufgaben am DSC-Funkgerät.
Ein Besonderheit gegenüber dem UBI: Die SRC-Prüfung enthält einen Englisch-Teil. Hier musst du Notrufe empfangen und übersetzen sowie deutschen Text ins Englische übertragen können, da der internationale Seefunk auf Englisch abgewickelt wird.
Inhaltlich deckt der Fragenkatalog UKW-Seefunk und das GMDSS-System für das Seegebiet A1, DSC-Verfahren, Not-, Dringlichkeits- und Sicherheitsverkehr, Schiff-zu-Schiff- und Schiff-zu-Land-Kommunikation, die internationale Buchstabiertafel und Seenot-Englisch sowie die Funkvorschriften der ITU ab. Der amtliche Fragenkatalog umfasst 180 Fragen.
Auch für das SRC gilt ein Mindestalter von 15 Jahren. Ein Vorbereitungskurs ist nicht vorgeschrieben, wird aber von manchen Funkschulen angeboten.
Kosten SRC
Die amtliche Prüfungsgebühr für Zulassung, Prüfung und Erteilung des Zeugnisses liegt bei DSV/DMYV bei rund 128 Euro. Ein optionaler Vorbereitungskurs an einer Funkschule kostet zusätzlich üblicherweise im Bereich von 250 bis 350 Euro, ist aber wie beim UBI keine Voraussetzung für die Zulassung zur Prüfung.
UBI vs. SRC im direkten Vergleich
Der wichtigste Unterschied zwischen beiden Zeugnissen ist das Fahrtgebiet: Das UBI gilt für Binnenschifffahrtsstraßen, das SRC für den Küstenbereich (Seegebiet A1). Beide Zeugnisse sind nicht gegenseitig anrechenbar – ein UBI ersetzt kein SRC und umgekehrt.
Auch inhaltlich unterscheiden sie sich deutlich. Das UBI dreht sich um Binnenrevierfunk, Streckenfunk und ATIS, das SRC um DSC-Verfahren, GMDSS und den englischsprachigen Notfunk. Die SRC-Prüfung ist mit 24 Fragen in 30 Minuten etwas straffer getaktet als die UBI-Prüfung mit 22 Fragen in 60 Minuten, dafür kommt beim SRC der zusätzliche Englisch-Teil hinzu.
Eine gute Nachricht für alle, die beide Zeugnisse brauchen: Wer bereits ein Seefunkzeugnis wie das SRC oder das umfangreichere LRC besitzt, für den sind die theoretische und die praktische UBI-Prüfung verkürzt. Umgekehrt gilt: Wenn du zuerst das UBI machst, bringt dir das für die SRC-Prüfung keine Erleichterung, da die fachlichen Inhalte (DSC, GMDSS, Englisch) grundsätzlich anders sind.
Der praktische Teil: Was in der Prüfung wirklich zählt
Ein Punkt wird bei beiden Zeugnissen oft unterschätzt: Die Theorie ist nur die halbe Prüfung. Sowohl beim UBI als auch beim SRC entscheidet der praktische Teil am Funkgerät mit darüber, ob du bestehst.
Beim UBI gehören dazu die korrekte Einstellung des ATIS-Systems, allgemeine Gerätekunde sowie die praktische Durchführung von Not-, Dringlichkeits- und Sicherheitsmeldungen nach dem vorgeschriebenen Schema. Beim SRC kommen vier Aufgaben am DSC-Funkgerät hinzu, dazu die schriftliche Aufnahme einer eingehenden Not-, Dringlichkeits- oder Sicherheitsmeldung. Wer im Alltag nur selten selbst zum Mikrofon greift, sollte diesen Teil nicht unterschätzen und die Bedienung des Geräts gezielt üben, bevor die Prüfung ansteht. Prüfungsausschüsse achten hier genau auf die richtige Reihenfolge der Handgriffe, etwa beim Absetzen eines Notrufs, da im echten Ernstfall keine Zeit für Zögern bleibt.
Brauche ich beide Zeugnisse?
Das hängt von deinem Fahrtgebiet ab. Wer ausschließlich auf Flüssen und Binnenseen unterwegs ist, kommt mit dem UBI aus. Wer ausschließlich an der Küste segelt oder motorbootet, braucht nur das SRC. Wenn du aber sowohl auf dem Rhein als auch auf der Ostsee mit Funkgerät unterwegs sein willst, etwa weil du dein Boot zwischen Binnenrevier und Küste bewegst oder auf beiden Gewässern chartern möchtest, brauchst du beide Zeugnisse.
In diesem Fall bietet es sich an, zuerst das SRC zu machen, da dessen Inhalte umfangreicher sind, und danach vom Rabatt bei der UBI-Prüfung zu profitieren.
Und wenn ich aufs offene Meer will? Das LRC
Wer außerhalb der UKW-Reichweite funken will, etwa bei längeren Offshore-Passagen, kommt mit dem SRC allein nicht aus. Dafür gibt es das Long Range Certificate (LRC), das zusätzlich Grenz- und Kurzwellenfunk sowie Satellitenfunk im Rahmen des GMDSS abdeckt und für die Seegebiete A1 bis A4 gilt. Für die meisten Küstenreviere in Nord- und Ostsee reicht das SRC jedoch völlig aus.
Wie du dich am besten vorbereitest
Für beide Prüfungen ist kein verpflichtender Kurs vorgeschrieben, die offiziellen Fragenkataloge sind frei zugänglich und lassen sich eigenständig lernen. Sinnvoll ist trotzdem, sich Struktur zu geben: die Themenblöcke einzeln durcharbeiten, typische Fehler wiederholt üben und den praktischen Teil (Gerätebedienung, Notrufabsetzung) nicht zu kurz kommen zu lassen, denn der wird in der Prüfung genauso bewertet wie die Theorie.
Wenn du dich zusätzlich auf den SBF Binnen oder den SBF See vorbereitest, lohnt es sich, Funk- und Führerscheinprüfung zeitlich zu bündeln, da sich einige Themen wie Notsignale und Verhalten im Seenotfall inhaltlich berühren. Mehr dazu findest du auch in unserem Artikel zu den Notsignalen auf See.
Fazit
UBI und SRC sind zwei eigenständige Sprechfunkzeugnisse für unterschiedliche Fahrtgebiete: Binnenschifffahrt beim UBI, Küstenfunk beim SRC. Beide sind unabhängig vom Sportbootführerschein, haben eigene Fragenkataloge und eigene Prüfungsmodalitäten. Wer nur auf einem der beiden Reviere unterwegs ist, braucht auch nur das jeweils passende Zeugnis. Wer beide Fahrtgebiete abdecken will, profitiert von der verkürzten UBI-Prüfung, wenn zuerst das SRC erworben wird.
Die Boatpass-App hilft dir bei der Vorbereitung auf UBI und SRC mit den vollständigen amtlichen Fragenkatalogen, Prüfungssimulation unter realistischen Bedingungen und gezieltem Fehler-Training, damit du sicher und gut vorbereitet in die Prüfung gehst.